Die sieben Emotionen – Psychosomatik der TCM

In der TCM gibt es sieben Emotionen 七情 (Qī qíng): Zorn, Freude, Traurigkeit, Sorge, Nachdenklichkeit, Angst und Schock. Die sieben Emotionen sind aber breite Kategorien, in denen viele andere Emotionen Platz finden. Sie sind äußere Manifestationen der funktionellen Tätigkeiten der Organe (Zang Fu). Jedem Organ ist eine spezielle emotionale Aktivität zugeordnet: das Herz gehört zur Freude und Schock, die Leber gehört zum Zorn, die Milz gehört zur Sorge und Nachdenklichkeit, die Lunge gehört zur Traurigkeit und die Niere gehört zur Angst.
Auf der anderen Seite werden die sieben Emotionen ausschließlich durch das Herz dominiert. Da das Herz den Geist (Shen) beherbergt, sind alle emotionalen Reaktionen eine Manifestation des Herzens. Es ist unser emotionales, intellektuelles, geistiges und spirituelles Zentrum. Die sieben Emotionen werden als Bewegungen des Qi wahrgenommen und jede Emotion löst in einem Menschen eine bestimmte Qualität und Aktivität des Qi aus. Diese werden anhand der Theorie von Yin und Yang und den fünf Elementen klassifiziert.

Huangdi Neijing Suwen (Buch des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin – einfache Fragen) Kapitel 39:
„Wenn man wütend ist, steigt das Qi auf,
hat man Freude, entspannt sich das Qi,
ist man traurig, zerstreut sich das Qi,
hat man Angst, bewegt sich das Qi nach unten.
Im Falle von Kälte, zieht sich das Qi nach Innen.
Im Falle von Hitze, fliesst das Qi nach Aussen.
Wenn man Angst hat, ist das Qi in Unordnung,
ist man erschöpft, wird das Qi verschwendet,
ist man nachdenklich, dann klumpt sich das Qi zusammen.
Diese neun Qi sind nicht identisch.“

Die sieben Emotionen alles krankmachende Faktoren

Emotionale Aktivität wird als normale physiologische Antwort auf die äußere Umwelt gesehen. Normalerweise verursachen die sieben Emotionen keine Krankheiten. Werden jedoch die emotionalen Stimulationen so stark, dass sie unkontrollierbar sind und dadurch ein Ungleichgewicht von Yin und Yang verursachen, dann werden sie zu pathogenen Faktoren. Dies wird als innere Schädigung durch die sieben Emotionen bezeichnet. Emotionen können nicht nur Krankheiten auslösen, sie sind auch in der Lage, bestehende Krankheiten zu verschlimmern. Sie beeinträchtigen nicht nur die Organe selbst sondern auch deren Funktionen.

Zuangzi Kapitel 3 Grundlagen für die Aufrechterhaltung guter Gesundheit:
„Das Wesentliche für die Aufrechterhaltung guter Gesundheit ist, dass man dem natürlichen Verlauf der Dinge (Dao) folgt und nicht durch materielle Wünsche und persönliche Emotionen beeinflusst wird.“

Die sieben Emotionen

Freude 喜 (xǐ)

Freude ist kein Zustand von gesunder Zufriedenheit, sondern eine übermässige Erregung. Es verlangsamt den Qi-Fluss und beeinflusst das Herz. Übermässige Freude („übermässige Erregung“) schädigt das Herz und verlangsamt und erschöpft das Herz-Qi und beeinträchtigt Herz-Shen-Funktion, was zu emotionale, psychische und seelische Störungen, z.B. Apathie und Verlust der Lebensfreude führen kann. Ein psychischer Schock reisst das Qi in einen Schwebezustand, beeinträchtigt Herz (und Niere), leert das Herz- Qi und kann zu Herzklopfen, Atemnot und Schlafstörungen führen, d.h., das Shen hat im Herzen keine Residenz.

Zorn 怒 (nù)

Es gehören viele verwandte Zustände wie Groll, unterdrückter Ärger, Reizbarkeit, Frustration, Wut, Entrüstung, Feindseligkeit, Depression und Verbitterung in diese Kategorie. Zorn lässt das Qi aufsteigen und beeinträchtigt die Leber. Deshalb zeigen sich viele der Symptome und Krankheitszeichen im Kopf- und Nackenbereich, wie etwa Kopfschmerzen, Tinnitus, Schwindelgefühl, ein gerötetes Gesicht, Schmerzen im Hypochondrium und ein bitterer Mundgeschmack. Zorn beeinträchtigt die Leber-Fliessen und Ausbreiten-Funktion, was zu emotionale Spannung, Frustration und Zorn, Wutausbrüche, und vielleicht auch verknüpfte Emotionen, wie Hass, Vorurteile und Intoleranz führen kann. Zorn ist eines der Hauptsymptome einer Lebererkrankung.

Traurigkeit-Kummer-Melancholie-Schwermut 悲 (bēi)

Traurigkeit verteilt das Qi und beeinträchtigt die Lunge und das Herz.

Sorge 忧 (yōu)

Sorge stoppt das Qi und verletzt die Lunge. Dies kann zu Kurzatmigkeit oder zu flachem, unregelmässigem Atmen führen. Traurigkeit kann auch das mit der Lunge gekoppelte Organ, den Dickdarm verletzten. Was häufig zu Darmentzündungen führen kann.

Nachdenklichkeit 思 (sī)

Sorge leert das Qi und beeinträchtigt die Milz und auch die Lunge. Nachdenklichkeit als eine Krankheitsursache bedeutet übermässiges Denken, übermässige mentale Arbeit oder zu intensives Lernen. All das schädigt die Milz und verursacht Müdigkeit, Appetitverlust und weiche Stühle. Übertriebene geistige Anstrengung, übertriebenes Lernen, Besessenheit im Denken und Sorge verletzen die Milz und beeinträchtigen die Funktion von Transformieren und Transportieren. Sorge lässt das Qi stagnieren.

Angst 恐 (kǒng)

Angst lässt das Qi absteigen und beeinträchtigt die Niere und die Nieren-Funktionen, dies kann zu Miktionsstörungen führen. Ein Schock zerstreut das Qi und beeinträchtigt Niere und Herz. Angst, Furchtsamkeit, Schrecken oder Panik stehen mit der Selbsterhaltung und dem Überlebenswillen in engem Zusammenhang. Extreme oder lang andauernde Ängste verursachen Nieren-Erkrankungen. Angst ist eine Manifestation einer Nieren Erkrankung.

Schock 惊 (jīng)

Ein Schock zerstreut das Qi und beeinträchtigt Niere und Herz.

 

GefühlYin Organ (Zang)Yang Organ (Fu)
Freude und SchockHerzDünndarm
ZornLeberGallenblase
TraurigkeitLungeDickdarm
Sorge und NachdenklichkeitMilzMagen
Angst und SchockNiereBlase

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