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Rückenschmerzen aus Sicht der TCM

Rückenschmerzen

Der „Rückenreport 2011“ von der Rheumaliga bestätigt, dass Rückenschmerzen und damit verwandte Beschwerden wie Ischias Syndrom (Hexenschuss), Lumbalgien (Schmerzen des unteren Rückens) oder Bandscheibenvorfälle eines der grossen Volksleiden in der Schweiz darstellt. In der Schweiz leiden 80 Prozent der Menschen einmal pro Jahr bis mehrmals wöchentlich unter Rückenschmerzen.

Allopathische (westliche) Medizin

Am häufigsten handelt es sich um unspezifische Rückenschmerzen, die auf keine eindeutige Erkrankung zurückgeführt werden können. Auslöser für unspezifische Rückenschmerzen sind vor allem muskuläre Verspannungen infolge von Stress, Bewegungsmangel, schwache Muskulatur oder auch eine dauerhafte Fehlbelastung der Wirbelsäule. Übergewicht oder psychische Belastungen sind ebenfalls Ursachen für unspezifische Rückenschmerzen. Auch Rückenschmerzen in der Schwangerschaft oder während der Menstruation sind ein bekanntes und häufiges Problem.
Seltener sind Rückenschmerzen als Folge von Wirbelbrüchen, Bandscheibenvorfällen, Spinale Stenosen, Gleitwirbeln und degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen wie der Osteochondrose. Auch entzündliche Erkrankungen wie der Morbus Scheuermann oder der Morbus Bechterew können zu Rückenschmerzen führen. Ausserdem können verschiedene Erkrankungen der inneren Organe wie Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs) oder Krebserkrankungen mit Metastasen in der Wirbelsäule, sowie urologische und gynäkologische Erkrankungen in den Rücken ausstrahlen und sich als Rückenschmerzen bemerkbar machen.

Rückenschmerzen aus Sicht der TCM

Blasenmeridian Rückenschmerzen

Aus Sicht der Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) sind Rückenschmerzen eine Folge von vielfältigen Regulationsstörungen im Körper. Qi und Blut (Xue) bewegen sich nicht mehr harmonisch und verursachen eine Blockade (Stagnation) und damit Schmerzen.
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) unterscheidet dabei innere und äussere Ursachen.
Äussere Ursachen sind vor allem auf klimatische Einflüsse (äussere pathogene Faktoren) wie Wind, Kälte, Hitze und Feuchtigkeit (Nässe) zurückzuführen. Sind diese pathogenen Faktoren zu stark oder die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach, führt dies zu Blockaden von Qi und Blut in den Meridianen.
Innere Ursachen sind meistens auf eine Nieren Funktionsschwäche zurückzuführen. Nach Auffassung der TCM regiert die Niere den Rücken und die unteren Extremitäten. In der TCM wird die Niere nicht als eigentliches Organ verstanden, sondern als Funktionskreis.
Funktionskreise beinhalten eine Integration von Körperfunktionen, Geweben, Sinnesorganen, Körperregionen, Umwelteinflüssen, Emotionen, psychischen Aktivitäten, Qi-Richtungen und sind mit einem Zang oder Fu gekoppelt. Die Niere (Zang-Organ) ist mit der Blase (Fu-Organ) gekoppelt. Der Blasen-Meridian verläuft beidseitig und symmetrisch entlang der Wirbelsäule. Ist der Qi- und Blutfluss im Blasen-Meridian gestört, entstehen Blockaden. Diese lösen Verspannungen oder Schmerzen aus.
Andere Ursachen von Rückenschmerzen sind Traumata, Rückenverletzungen, Fehlhaltungen und Abnützungserscheinungen. In diesem Fall werden häufig die Sehnen, Bänder und Meridiane in Mitleidenschaft gezogen und dadurch das Qi und Blut blockiert.
Rückenschmerzen treten häufig auch bei schwacher Konstitution oder im hohen Alter auf. Dies ist auf einen Qi und Blut Mangel zurückzuführen. Durch diesen Mangel werden die Sehnen, Bänder und Muskeln nicht richtig genährt.
Innere und äussere Krankheitsursachen können sich auch gegenseitig beeinflussen. Leidet man an einer Nieren Funktionsschwäche, dann können äussere pathogene Faktoren wie Wind, Kälte, Feuchtigkeit oder Hitze in den Körper eindringen. In diesem Fall wird die bereits bestehende Nieren Funktionsschwäche weiter verstärkt.

Behandlung

Rückenschmerzen Akupunktur

Aus Sicht der TCM haben Rückenschmerzen verschiedene Ursachen. Damit ein Behandlungskonzept erstellt werden kann, muss der TCM Therapeut zuerst eine Anamnese erstellen. Diese besteht aus den vier klassischen Diagnosemethoden, der Befragung, der Betrachtung, dem Tasten und dem Hören und Riechen. Anhand der Anamnese erstellt der TCM Therapeut das Behandlungskonzept. Das Behandlungskonzept umfasst kombinierte Behandlungsmethoden, die speziell auf das jeweilige Krankheitsmuster des einzelnen Patienten abgestimmt sind. Bei der Akupunktur z.B. wird nicht nur lokal genadelt, sondern auch das zu zugrundeliegende Muster behandelt.

Rückenschmerzen in der Diagnostik

Zur Diagnose lässt sich die TCM direkt von der Schmerzqualität leiten, da diese sehr klare Antworten geben. Die Schmerzen können in Fülle und Mangel Muster unterteilt werden. Die häufigsten Ursachen von Fülle-Muster sind Qi-Stagnation, Blut-Stase und äussere pathogene Faktoren (Wind, Kälte, Hitze, Feuchtigkeit). Dies wird als „bu tong ze tong“ beschrieben – Blockaden verursachen Schmerzen.
Die häufigsten Ursachen von Leere-Muster sind Qi- und Blut-Mangel. Dies wird als „bu rong ze tong“ beschrieben – Mangel [von Qi und Blut] verursacht Schmerzen.
Pathogene Faktoren wie Wind, Kälte, Hitze, Feuchtigkeit, Qi-Stagnation oder Blut-Stase lösen im Körper sehr unterschiedliche Schmerzqualitäten aus. Zum Beispiel können bei gewissen konstitutionellen Veranlagungen äussere pathogene Faktoren klimatisch bedingte Schmerzen (Wetterfühligkeit) auslösen.

  • Andauernde dumpfe Schmerzen – Diagnose: Nierenschwäche
  • Starke Schmerzen, verschlechtert durch Kälte und Feuchtigkeit, verbessert durch Wärme – Diagnose: Eindringen von äusserer pathogener Kälte und Feuchtigkeit in die Meridiane
  • Stechender, bohrender Schmerz (der Schmerz wird oft als Messer- oder Nadelstich beschrieben), Unfähigkeit den Rumpf zu drehen – Diagnose: Blut-Stase (Blockade)
  • Taubheit von Armen oder Beinen oder auf Hände und Füsse beider Seiten beschränkt – Diagnose: Blut Mangel
  • Taubheit von Fingern (vor allem Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger), Ellenbogen und Arm auf einer Seite – Diagnose: Innerer Wind und Schleim. Dies kann ein Warnsignal für einen bevorstehenden Wind-Schlaganfall sein!