Arthrose aus Sicht der TCM

Die Arthrose ist eine nicht-entzündliche Gelenkerkrankung, die durch einen langsam fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels gekennzeichnet ist. Sie betrifft typischerweise die Knie- und Hüftgelenke, die Fingermittel- und Endgelenke, das Daumensattelgelenk, das Grosszehengrundgelenk und die kleinen Wirbelgelenke der Hals- und Lendenwirbelsäule.

Arthrose - 9 Palaces TCM Akupunktur Kniearthrose

Gemäss der Rheumaliga ist die Arthrose die häufigste Ursache für Gelenkschmerzen und betrifft bei den über 65-Jährigen bis zu 90 Prozent der Bevölkerung. Wenn jüngere Patienten von einer Arthrose betroffen sind, dann meistens wegen starken Übergewichts.

Symptome einer Arthrose sind dumpfe bis stechende Schmerzen bei Belastung oder Bewegung eines Gelenks. Typisch ist auch der Anlaufschmerz, der nach einer langen Ruhephase auftritt und sich mit Bewegung verbessert.

Arthrose in der TCM

Den Begriff „Arthrose“ gibt es in den alten medizinischen Texten nicht. Jedoch gibt es Beschreibungen von Krankheiten, deren Symptome sehr ähnlich sind. Diese werden als Bi (Blockade) bezeichnet. Im Buch Huang Di Neijing Suwen (Buch des Gelben Kaisers – Einfache Fragen), Kapitel 43 (Bi Lun 痹论), steht:

Huang Di fragt Qi Bo, seinen Minister: „Wie kommt ein Bi [Syndrom] zustande?“

Qi Bo antwortet: „Eine Kombination von drei Krankheitserregern (Wind, Kälte und Feuchtigkeit) dringt in den Körper ein und führt zu einer Verstopfung [der Meridiane und Kollateralen] und verursacht ein Bi. Wenn der Wind vorherrscht, nennen wir es Xing Bi oder wanderndes Bi; wenn Kälte vorherrscht, nennen wir es Tong Bi oder schmerzhaftes Bi; wenn Feuchtigkeit vorherrscht, nennen wir es Zuo Bi oder hartnäckiges Bi.“

Ätiologie und Pathogenese

Arthrose wird in der Chinesischen Medizin als Bi-Syndrom angesehen, das durch die Erschöpfung der FunktionskreiseNiere, Leber und Milz begünstigt wird. Durch diese Schwäche können äussere pathogene Faktoren wie Wind, Kälte oder Feuchtigkeit in den Körper eindringen. Dies führt zu einer Blockade in den Leitbahnen und behindert den Fluss von Qiund Blut, was zu Schmerzen, Taubheitsgefühl, Steifigkeit und Schwergefühl führt.

Die pathogenen Faktoren können sich auch in Hitze umwandeln. Dies wird als Hitze-Bi oder Re-Bi bezeichnet und geht mit Rötung oder brennenden Schmerzen einher.

Milz

Die Milz kontrolliert die Muskeln. Die Milz beherrscht das Transformieren und Transportieren der Flüssigkeiten und Nahrung. Ist diese Funktion über einen längeren Zeitraum beeinträchtigt, führt dies zu einer Stagnation von Schleim. Blut-Stase und Schleimstagnation werden zu sekundären pathogenen Faktoren, die sich in den Gelenken ansammeln, wobei sich Schleim zu Knochenwachstum verdichtet.

Niere

Die Niere kontrolliert die Knochen. Die Niere beherrscht die Bildung von Knochen und ist verantwortlich für Wachstum und Entwicklung. Die Nierenessenz (Jing) nimmt im Alter ab, dadurch wird das Qi der Organe erschöpft und die Knochen werden brüchiger.

Leber

Die Leber kontrolliert die Sehnen und Bänder. Die Leber speichert das Blut, dieses nährt und befeuchtet die Bänder, Sehnen und alle anderen Gewebe. Werden die Sehnen nicht ausreichend genährt, versteifen sie sich und beeinträchtigen die Beweglichkeit.

Behandlung

Akupunktur ist vor allem in China weitverbreitet zur Behandlung von Arthrose. Oft wird die Akupunktur mit anderen Therapieformen kombiniert, z. B. mit Moxibustion, Wärmelampen, Elektroakupunktur, Schröpfen und chinesischer Arzneimitteltherapie.

Die Behandlungsstrategie der TCM besteht darin, Niere, Leber und Milz zu stärken, Qi und Blut zu nähren, exogene pathogene Faktoren auszuleiten, Feuchtigkeit umzuwandeln, die Blutzirkulation zu fördern und die Leitbahnen durchgängig zu machen.

Bi nach Ätiologie (von James Skoien)

Wind-Bi (wanderndes Bi):

Plötzlicher Anfang, akute, intermittierende Beschwerden, Symptome, die kommen und gehen, rasche Symptomveränderung. Symptome werden ausgelöst oder verschlechtert durch das Ausgesetztsein an Wind, einschliesslich windiger Klima- und Wetterbedingungen und Wetterwechsel sowie akute Infektionen.

Schmerz und andere sensorische und motorische Beschwerden: diffuser, wandernder, milder bis mässig starker Schmerz oder ein Spannungsgefühl; Schmerzen, die von einem Körperareal zum anderen springen; rasche Veränderung der Schmerzen, z. B. sie kommen und gehen; ziehender oder distendierender Schmerz; häufig Schmerzen des oberen Körpers oder der oberen Extremitäten; Spasmen, Zuckungen, Krämpfe, Tics, Bewegungseinschränkungen und Steifheit.

Hautbeschwerden: plötzlicher Anfang von Hautveränderungen; die Hautsymptome und -zeichen kommen und gehen (intermittierend); wandernde Ausschläge und Juckreiz.

Allgemeine Beschwerden: normale Leistungskraft, Abneigung gegen Wind, gleichzeitiges niedriges Fieber und Frösteln oder Schüttelfrost, leichtes Schwitzen, normaler Durst, akuter, wandernder, wechselhafter, ziehender oder distendierender Kopfschmerz.

Puls: oberflächlich (fu).
Zungenbelag: dünn, feucht, weiss.
Zungenkörper: normaler Zungenkörper.

Kälte-Bi (fixiertes Bi):

Plötzlicher Anfang, akute Beschwerden, intermittierend auftretende Beschwerden. Symptome werden ausgelöst oder verschlechtert durch das Ausgesetztsein an Kälte, einschliesslich kalter Klima- und Wetterbedingungen, längeres Sitzen auf kalten Unterlagen usw. sowie durch akute Infektionen.

Schmerz und andere sensorische und motorische Beschwerden: leicht lokalisierbarer, konstanter, starker Schmerz, verschlechtert oder verstärkt durch Kälteanwendung und verbessert oder gelindert durch Wärmeanwendung, Bewegungseinschränkungen und Steifheit.

Hautbeschwerden: weisse oder blasse, möglicherweise bläuliche oder grünliche Hautverfärbungen, keine rötlichen Verfärbungen, weisse oder blasse Flecken oder Makel. Die Haut fühlt sich kalt an.

Allgemeine Beschwerden: normale Leistungskraft, Abneigung gegen Kälte.

Puls: oberflächlich (fu), voll (shi), gespannt (jin).
Zungenbelag: dünn, feucht, weiss.
Zungenkörper: normaler Zungenkörper.

Feuchtigkeit-Bi:

Plötzlicher Anfang, akute Beschwerden, intermittierend auftretende Beschwerden. Symptome werden ausgelöst oder verschlechtert durch das Ausgesetztsein an Feuchtigkeit, einschliesslich feuchter Klima- und Wetterbedingungen sowie akute Infektionen.

Schmerz und andere sensorische und motorische Beschwerden: leicht lokalisierbarer, konstanter, milder bis mässig starker Schmerz oder Schweregefühl, schwere Extremitäten, ziehender oder distendierender Schmerz oder eine Empfindung von Schwellung, häufig Schmerzen des unteren Körpers oder der unteren Extremitäten, Schwellung, Bewegungseinschränkungen, Steifheit und Parästhesien (inkl. Kribbeln, Taubheitsgefühl usw.).

Hautbeschwerden: feuchte, nasse, klebrige oder ölige Ausschläge mit wässrigen, trüben Exsudaten und Absonderungen, Vesikeln oder Bläschen, Blasen oder Schwellung der Haut.

Allgemeine Beschwerden: normale Leistungskraft, distendierender Kopfschmerz oder Schwere- oder Bandagegefühl im Kopf.

Puls: oberflächlich (fu), voll (shi), schlüpfrig (hua), möglicherweise sanft (ru).
Zungenbelag: dünn oder dick, feucht, klebrig oder ölig, weiss.
Zungenkörper: normaler Zungenkörper.

Hitze-Bi:

Plötzlicher Anfang, akute Beschwerden, intermittierend auftretende Beschwerden. Symptome werden ausgelöst oder verschlechtert durch das Ausgesetztsein an Kälte oder Hitze sowie durch akute Infektionen.

Schmerz und andere sensorische und motorische Beschwerden: leicht lokalisierbarer, konstanter, brennender, starker Schmerz, verschlechtert oder verstärkt durch Wärmeanwendung und verbessert oder gelindert durch Kälteanwendung, Bewegungseinschränkungen und Steifheit.

Hautbeschwerden: brennender Schmerz der Haut, gerötete Hautverfärbungen, die Haut fühlt sich warm an.

Allgemeine Beschwerden: normale Leistungskraft, gleichzeitiges niedriges Fieber und Frösteln oder Schüttelfrost, mehr Wärmeempfindung.

Puls: oberflächlich (fu), voll (shi), beschleunigt (shu).
Zungenbelag: dünn, feucht oder trocken, weiss oder gelb.
Zungenkörper: normaler Zungenkörper.